Warum Budget kürzen die teuerste Entscheidung im Marketing ist
- Mediaplaner Insights
- 4 min Lesezeit
- 22.03.2026
Worum es geht
Sparen, das teuer wird
Eine BCG-Studie (2023) hat rund 150 US-Marken über 15 Branchen analysiert. Das Ergebnis: Marken, die ihr Marketingbudget kürzten, verloren durchschnittlich 0,8 Prozentpunkte Marktanteil gegenüber Wettbewerbern, die investierten. Der Umsatz wuchs 13 Prozentpunkte langsamer. Und der Wiederaufbau? Kostet pro eingespartem Euro das 1,85-Fache.
Nielsen liefert eine ähnlich ernüchternde Zahl: Pro Quartal ohne Werbung verliert eine Marke rund 2 % ihres künftigen Umsatzes. Marken, die 2020 komplett auf Werbung verzichteten, verzeichneten im Folgejahr bis zu 11 % Umsatzrückgang.
Wiederaufbau dauert Jahre
Was viele unterschätzen: Der Schaden zeigt sich nicht sofort. Marken profitieren noch eine Weile von vergangenen Investitionen – und wiegen sich in falscher Sicherheit. Doch Nielsen beziffert den Wiederaufbau-Zeitraum auf drei bis fünf Jahre konsistenter Investition. Peter Field, einer der anerkanntesten Werbeforschern, schätzt: Ein einziges Jahr Werbestille in einer Rezession braucht bis zu fünf Jahre Nachholarbeit.
Die Ehrenberg-Bass-Studien bestätigen das Muster: Marken, die ein Jahr lang pausierten und danach wieder investierten, erreichten ihren früheren Umsatztrend trotzdem nicht mehr.
Was passiert, wenn Marken „dunkel“ gehen
Das Ehrenberg-Bass Institute hat über zwei große Studien (2021 und 2023) untersucht, was passiert, wenn Marken aufhören zu werben. Die Ergebnisse sprechen für sich.
Australische Getränkemarken ohne Werbung verloren im Schnitt 16 % Umsatz nach einem Jahr, 25 % nach zwei Jahren und 36 % nach drei Jahren. Die Replikation mit 365 US-Marken zeigte dasselbe Bild: 10 % Marktanteilsverlust nach einem Jahr, 20 % nach zwei Jahren. Keine einzige Marke gewann durch Werbestopp an Umsatz.
Kantar ergänzt: Marken, die komplett dunkel gehen, erleiden einen Rückgang der Markenbekanntheit um bis zu 39 %.
Kleines Dauerfeuer schlägt große Knalleffekte
Viele Unternehmen setzen auf vereinzelte Kampagnen-Bursts – ein paar Wochen volle Power, dann monatelange Stille. Das klingt effizient, ist es aber nicht.
Effectv/Comcast hat über 400 TV-Kampagnen ausgewertet: Kontinuierliche Kampagnen mit über 60 Tagen Laufzeit erreichten 3,4-mal mehr Haushalte und dieselben Haushalte 3-mal häufiger als kurze Bursts unter 30 Tagen. Bei identischem Budget.
Der Grund ist einfach: Die meisten Menschen kaufen nicht gerade jetzt. Die 95:5-Regel von Professor John Dawes (Ehrenberg-Bass) zeigt: 95 % der potenziellen Käufer sind zu jedem Zeitpunkt nicht aktiv im Markt. Wer nur in Bursts wirbt, verpasst sie systematisch.
Wer investiert, wenn andere kürzen, gewinnt
Die überzeugendsten Argumente liefern Unternehmen, die in Krisenzeiten antizyklisch investiert haben.
Procter & Gamble steigerte die Werbeausgaben während COVID um 21 % auf über 8 Milliarden Dollar. Das Ergebnis: 7 % Umsatzwachstum und das stärkste Marktanteilswachstum seit Jahren. Samsung investierte in der Rezession 2008 konsequent in Marke und Forschung – und stieg von Platz 21 auf Platz 6 der wertvollsten globalen Marken auf. Hyundai schaltete 2009 neun Super-Bowl-Spots, als andere Autobauer kürzten, und steigerte den Marktanteil von 3,1 % auf 4,3 %.
Die Gegenbeispiele sind ebenso deutlich: Coca-Cola kürzte 2020 mit der Begründung, Marketing mache in der Krise keinen Unterschied. Die Folge: 14 % weniger Werbeerinnerung – während Pepsi um 26 % zulegte. McDonald's kürzte 1990 – Pizza Hut und Taco Bell wuchsen um 61 % bzw. 40 %, McDonald's Umsatz fiel um 28 %.
Die wichtigste Erkenntnis für Ihre Mediaplanung
Die Forschung aus über 50 Jahren konvergiert auf drei Punkte. Erstens: Budgetkontinuität ist günstiger als Wiederaufbau. Zweitens: Ein kleines Dauerfeuer erreicht mehr Menschen als vereinzelte Kampagnen-Bursts. Drittens: Wer in schwierigen Zeiten präsent bleibt, gewinnt Marktanteile, die Wettbewerber nur schwer zurückholen können.
Das heißt nicht, dass jedes Budget gleich groß sein muss. Es heißt: Nicht abschalten. Denn die teuerste Entscheidung im Marketing ist nicht die falsche Kampagne – sondern gar keine.
Quellenangaben
- Analytic Partners (2022) ROI Genome Report: The Marketing Resilience Playbook. Verfügbar unter: https://analyticpartners.com/knowledge-hub/newsroom/report-cutting-spend-in-recession-risks-loss/ (Zugriff: 22. März 2026).
- Binet, L. und Field, P. (2013) The Long and the Short of It: Balancing Short and Long-Term Marketing Strategies. London: IPA.
- Binet, L. und Field, P. (2018) Effectiveness in Context: A Manual for Brand Building. London: IPA.
- Boston Consulting Group (2023) Don't Cut Your Brand-Marketing Budget. Rethink It. Verfügbar unter: https://www.bcg.com/publications/2023/rethink-brand-marketing-budget (Zugriff: 22. März 2026).
- Dawes, J. (2021) The 95:5 Rule. Verfügbar unter: https://johndawes.info/the-955-rule/ (Zugriff: 22. März 2026).
- Effectv/Comcast Advertising (2022) Benefits of a Continuous TV Advertising Strategy. Verfügbar unter: https://comcastadvertising.com/insights/blog/continuous-tv-advertising-campaign-strategy/ (Zugriff: 22. März 2026).
- Field, P. und Binet, L. (2025) Budget is eight times more likely to drive effectiveness than ROI. Marketing Week. Verfügbar unter: https://www.marketingweek.com/budget-drive-effectiveness-roi/ (Zugriff: 22. März 2026).
- Hartnett, N. et al. (2021) 'When Brands Go Dark: Examining Sales Trends when Brands Stop Broad-Reach Advertising for Long Periods', Journal of Advertising Research, 61(3). Verfügbar unter: https://doi.org/10.2501/JAR-2021-009 (Zugriff: 22. März 2026).
- Kantar (o. J.) The Dark Side of Media: Going Dark and Its Impact on Brand Health. Verfügbar unter: https://www.kantar.com/north-america/inspiration/advertising-media/the-dark-side-of-media-going-dark-and-its-impact-on-brand-health (Zugriff: 22. März 2026).
- Kantar (o. J.) Modern Marketing Dilemmas: How Should Marketers Stand Up to Recession?. Verfügbar unter: https://www.kantar.com/north-america/inspiration/brands/modern-marketing-dilemmas-how-should-marketers-stand-up-to-recession (Zugriff: 22. März 2026).
- LinkedIn B2B Institute und Ehrenberg-Bass Institute (2021) The 95-5 Rule. Verfügbar unter: https://business.linkedin.com/advertise/resources/b2b-institute/b2b-research/trends/95-5-rule (Zugriff: 22. März 2026).
- Nielsen (2023) Beyond Today: Why Long-Term Marketing Drives Business Longevity. Verfügbar unter: https://www.nielsen.com/insights/2023/beyond-today-why-long-term-marketing-drives-business-longevity/ (Zugriff: 22. März 2026).
- Phua, P. et al. (2023) 'When Brands Go Dark: A Replication and Extension', Journal of Advertising Research, 63(3). Verfügbar unter: https://doi.org/10.2501/JAR-2023-009 (Zugriff: 22. März 2026).
- Ritson, M. (2020) 'P&G and Coke's results prove it: You don't cut ad spend in a crisis', Marketing Week. Verfügbar unter: https://www.marketingweek.com/mark-ritson-pg-coke-dont-cut-ad-spend/ (Zugriff: 22. März 2026).
- Sharp, B. (2010) How Brands Grow: What Marketers Don't Know. Melbourne: Oxford University Press.
Sebastian Reif
Gründer
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